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Bilaterale Beziehungen

Flaggen von Deutschland und Korea

Flaggen von Deutschland und Korea, © Colourbox

Artikel

Bilaterale Beziehungen zwischen Deutschland und der Republik Korea

Ausgangspunkt der bilateralen Beziehungen ist die Unterzeichnung des deutsch-koreanischen Handels-, Schifffahrts- und Freundschaftsvertrages am 26. November 1883. Nach dem Koreakrieg (1950-1953), der zur Teilung des Landes führte, entwickelten sich die Beziehungen zur Republik Korea eng und vertrauensvoll. Die deutschen politischen Erfahrungen (Annäherungspolitik, Wende und anschließender Einigungsprozess) bieten der koreanischen Politik Anregungen für den eigenen Weg. Die Antworten auf globale Herausforderungen bestimmen zunehmend die Politik in Korea und fördern Gemeinsamkeiten mit Deutschland: Stärkung des effektiven Multilateralismus, Beteiligung an friedenserhaltenden Maßnahmen wie im Libanon, Klimawandel und Energiesicherheit, Entwicklungszusammenarbeit, Kampf gegen den Terrorismus und Nichtverbreitung von Massenvernichtungswaffen.

Mehr zu den bilateralen Beziehungen und Informationen über die koreanische Außen- und Innenpolitik finden Sie hier.

Deutsch-koreanischer Handels-, Schifffahrts- und Freundschaftsvertrag

“Seine Majestät der Deutsche Kaiser, König von Preußen, im Namen des Deutschen Reichs einerseits, und Seine Majestät der König von Korea andererseits, von dem Wunsche geleitet, die Beziehungen zwischen den beiden Reichen dauernd freundschaftlich zu gestalten und den Handelsverkehr zwischen den beiderseitigen Staatsangehörigen zu erleichtern, haben den Entschluss gefasst, zur Erreichung dieser Zwecke einen Vertrag abzuschließen”. Mit diesen Worten öffnet der Vertrag von 1883, der eine erste Brücke für die deutsch-koreanischen Beziehungen schlug.

Einen ersten diplomatischen Versuch, Korea für Handelsbeziehungen zu gewinnen, unternahm Max August Scipio von Brandt, der ab 1862 erster deutscher Konsul in Japan war. Von einem Besuch in Busan kehrte er, von koreanischen Beamten abgewiesen, 1870 unverrichteter Dinge nach Japan zurück. Nach Abdanken Daewonguns im Jahre 1873, der den europäischen Mächten mit strikter Ablehnung entgegenstand, und durch die Öffnungspolitik nach dem Vertrag mit Japan 1876 gelang es von Brandt, inzwischen Gesandter in Peking, 1882 einen koreanisch-deutschen Vertrag mit dem koreanischen Hof zu unterzeichnen. Dieser Vertrag wurde jedoch nicht wirksam, da man die Texte in Berlin für zu restriktiv hielt. Das Deutsche Reich wurde bei den neuen Verhandlungen durch den Generalkonsul in Yokohama Carl Eduard Zappe vertreten. Auf der koreanischen Seite war der Deutsche Paul Georg von Möllendorf beteiligt, der seit Ende 1882 als erster westlicher Berater der koreanischen Regierung amtierte. In den Verhandlungen wurde bald eine Neufassung vereinbart. Am 26. November 1883 wurde dann der Handels-, Freundschafts- und Schifffahrtsvertrag von Min Yong-mok, dem Präsidenten des koreanischen Außenministeriums, und Carl Eduard Zappe unterzeichnet. Dies war der Beginn der offiziellen diplomatischen Beziehungen zwischen dem Königreich Korea und dem Deutschen Reich.

Die beiden Staaten räumten sich gegenseitig ständige konsularische Vertretungen ein. Außerdem sollten koreanische Häfen für den Handel mit dem Deutschen Reich geöffnet werden. Des weiteren wurde es Deutschen erlaubt, an den Häfen Grundstücke und Gebäude zu kaufen oder zu mieten und sich in einem gewissen Umkreis frei zu bewegen. Der Seehandel zwischen Deutschland und Korea wurde maßgeblich geregelt und erleichtert. Auch die Zolltarife wurden detailliert festgelegt. Darüber hinaus sollte jedem Angehörigen der zwei Staaten, der das andere Land zu Studienzwecken besuchen wollte, alle möglichen Erleichterungen bei seinem Vorhaben gewährt werden.

Nach dem Austausch der Ratifikationsurkunden am 18. November 1884 errichtete das Deutsche Reich in Seoul ein Konsulat, und Kapitän Otto Zembsch, der im Herbst 1884 nach Seoul gekommen war, um den Austausch der Urkunden herbeizuführen, amtierte als erster deutscher Generalkonsul in Korea. 1903 wurde das Konsulat zur Ministerresidentur erhöht, und Conrad von Saldern wurde zum Ministerresident ernannt. Durch den Protektoratsvertag Japans endeten jedoch 1905 die diplomatischen Beziehungen zwischen Deutschland und Koreas vorerst, und die diplomatischen Geschäfte der deutschen Ministerresidentur wurden der Deutschen Gesandtschaft in Tokio übertragen. Die koreanische Regierung ernannte zwar seit September 1887 mehrere diplomatische Vertreter, aber erst 1901 wurde der Gesandte Min Chul-hun nach Deutschland entsandt. Die koreanische Gesandtschaft wurde 1905 ebenso mit dem letzten Gesandten Lee Bum-jin geschlossen.

Nach der Kolonialzeit, dem 2. Weltkrieg und dem Koreakrieg, der zur Teilung des Landes führte, entwickelten sich die Beziehungen der Bundesrepublik Deutschland zur Republik Korea eng und vertrauensvoll.

Bergarbeiter und Krankenschwestern

1963 unterzeichneten Deutschland und Korea ein Abkommen, das die Grundlage für die Entsendung junger Männer aus Korea in den westdeutschen Bergbau gelegt hat. Bis zum Jahr 1977 haben fast 8.000 Koreaner als Bergarbeiter „unter der Erde malocht“. Rund 10.000 Krankenschwestern und Schwesternhelferinnen sind dem Beispiel der koreanischen Bergleute gefolgt und traten in den Dienst deutscher Krankenhäuser.

In den 1960er Jahren gab es einen erheblichen Bedarf an Personal im Bergbau. Die Anwerbung von koreanischen Bergarbeitern sollte diesem Personalmangel entgegenwirken. Das war die Geburtsstunde des so genannten „Programms zur vorübergehenden Beschäftigung von koreanischen Bergarbeitern im westdeutschen Steinkohlenbergbau“, das nach einem Notenwechsel am 7. und 16. Dezember 1963 in Kraft trat. Dies war alles andere als gewöhnlich, handelte es sich bei diesem Abkommen doch um das erste, das Deutschland mit einem Land außerhalb des europäischen Raumes schloss.

Diese deutsch-koreanische Vereinbarung entsprach vor allem auch den Interessen Koreas, dessen Wirtschaft dringend Kapital benötigte. Die nach Deutschland gereisten Arbeitskräfte überwiesen Geld nach Korea und darüber hinaus konnte ein weiteres gewichtiges Problem gelöst werden: die hohe Arbeitslosigkeit in Korea, die damals bei rund 30% lag.

Das Bergarbeiterprogramm bot in den frühen 1960er Jahren eine einmalige Chance, war es doch zu jener Zeit aufgrund der strengen Ausreiseregulierung eine der wenigen Möglichkeiten, überhaupt ins Ausland zu gehen. Die Bewerberquote war sehr hoch: Teilweise bewarben sich bis zu 2.500 Männer auf 100 Stellen. Ein nicht unerheblicher Teil der Bewerber hatte einen akademischen Hintergrund. Über 60% hatten die Oberschule absolviert oder die Universität besucht.

Deutschland benötigte aber zur damaligen Zeit nicht nur Bergarbeiter, sondern auch Krankenschwestern. Deutsche Ordensgemeinschaften und die deutsche katholische Mission in Korea begannen bereits Ende der 1950er Jahre, koreanische Krankenschwestern nach Deutschland zu vermitteln. Ein offizielles Abkommen zwischen der südkoreanischen und der deutschen Regierung zur Vermittlung koreanischer Krankenschwestern, entsprechend dem Bergarbeiterprogramm, wurde allerdings erst am 26. Juli 1971 geschlossen.

Wie die Bergarbeiter hatten auch die koreanischen Krankenschwestern einen hervorragenden Ruf. Sie galten als hochqualifiziert und immer sehr freundlich. Deshalb wurden ihre befristeten Arbeitsverträge in der Regel verlängert. Einige koreanische Krankenschwestern heirateten koreanische Bergarbeiter, holten ihre Ehemänner nach Deutschland nach oder heirateten Deutsche. Trotz anfänglicher Pläne, nach drei Jahren zurückzukehren, blieb mehr als die Hälfte der koreanischen Krankenschwestern in Deutschland. Sie gehören heute zu den Stützen der deutsch-koreanischen Freundschaft.

Zusammen mit den Krankenschwestern haben die Bergleute aus Südkorea einen wichtigen Beitrag zum „Wirtschaftswunder am Rhein“ geleistet. Gleichzeitig haben sie durch die finanzielle Unterstützung ihrer Familien in Ostasien maßgeblich zur Entwicklung ihres Landes – und zum „Wirtschaftswunder am Hanfluss“ – beigetragen.

Ein Großteil der koreanischen Gastarbeiter ist heute im Ruhrgebiet oder im Rheinland zu Hause. Sie bilden die größte koreanische Gemeinde Deutschlands, die zweitgrößte in Westeuropa. Viele betrachten mittlerweile Deutschland ihre Heimat und gelten als ausgezeichnetes Beispiel für gelungene Integration in Deutschland.

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